Auswahl aus „Glass.China“ jetzt in Zwiesel
Zeitgenössisches Glas aus China bei den Zwieseler Glastagen 2010

Einem in Europa vollkommen unbekannten Gebiet widmete die Alexander Tutsek-Stiftung in München im letzten Jahr eine große Ausstellung: Zeitgenössisches Glas aus China.
Unter dem Titel „Glass.China“ waren mehr als 30 Skulpturen wichtiger chinesischer Künstlerinnen und Künstlern sowie großformatige Fotografien der deutschen Filmkünstlerin und Fotografin Ulrike Ottinger zu sehen. Der zur Ausstellung erschienene Katalog dokumentiert eingehend die gesamte Schau und gibt ausführliche Hintergrundinformationen.

Ein Teil dieser Ausstellung konnte nun exklusiv für die Zwieseler Glastage 2010 gewonnen werden. Vom 14.08. bis zum 12.09.2010 werden dort eine Auswahl der in München gezeigten Skulpturen und Fotografien präsentiert.

China ist zwar der weltweit größte Produzent von Industrieglas, aber Kunstwerke aus Glas sind bislang allenfalls aus der Quing Dynastie im 17. Jahrhundert bekannt.
Was passiert in einer Nation, die sich wie China kulturell neu orientiert? Der Kunstmarkt boomt und hat innerhalb nur weniger Jahre eine geradezu explosionsartige Dynamik entfaltet. Zeitgenössisches Glas ist dagegen noch vollkommen unbekannt, obwohl sich weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit sehr viel entwickelt. Die Vorsitzende der Alexander Tutsek-Stiftung, Eva-Maria Fahrner-Tutsek, hat bei einer Reise nach China erste Arbeiten aus der Gegenwart entdeckt. Die Idee zur Ausstellung in München war geboren.
   
Für Eva-Maria Fahrner-Tutsek folgten detektivische Nachforschungen auf weiteren Reisen nach China mit vielen persönlichen Begegnungen und Gesprächen mit Künstlern, Kunst-Professoren und Galeristen. Der erste Eindruck bestätigte sich: Zeitgenössisches Glas ist im chinesischen Kunstmarkt noch eine absolute Seltenheit.
   
Doch chinesisches Glas der Gegenwart gilt unter Experten
als eines der aufregendsten Gebiete. Das renommierte „Time Magazine“ widmete sich erst kürzlich dem Phänomen zeitgenössisches Glas in China und wies auf die beachtliche Zahl junger talentierter Künstler hin.
Eva-Maria Fahrner-Tutsek: „Ich möchte dazu beitragen, die neuen Kunstwerke aus dem Verborgenen herauszuholen und im Westen bekannt zu machen.“
   
Künstlerischer Aufbruch
Ein Querschnitt dieses spannenden und kaum bekannten künstlerischen Aufbruchs ist jetzt in Zwiesel zu sehen. Die Ausstellung zeigt aktuelle Arbeiten, die überwiegend in den vergangenen zwei Jahren entstanden.
   
Eva-Maria Fahrner-Tutsek: „Die Verwendung von Glas als Material ist in der chinesischen Kunst neu. Die Kultur in China ist auf der Suche nach Impulsen in der westlichen Welt. Sie übernimmt sie jedoch nicht, sondern nutzt sie als Inspiration und interpretiert sie mit ihrer eigenen Handschrift. Die junge Künstlergeneration verbindet das Neue mit ihren alten chinesischen Traditionen. Aussage und Symbolik stehen im Mittelpunkt.“

Die amerikanische Kunstexpertin Susanne Frantz setzt sich im zur Ausstellung „Glass.China“ erschienenen Katalog intensiv mit der Entwicklung von zeitgenössischem Glas in China auseinander. Susanne Frantz:
„Unter den Mitgliedern der chinesischen Glas-Künstler ist Aufregung und Enthusiasmus zu spüren. Auch ein Gefühl von Ungeduld – aufzuholen und zu wachsen – nicht nur technisch, sondern auch philosophisch. Eigentlich hatte man das Gefühl, beim Glas sei alles bekannt, doch jetzt wird mit dem chinesischen Glas wieder ein neues Kapitel in der Geschichte des Glases aufgeschlagen.“


Das Wesentliche sichtbar machen:
Fotoarbeiten von Ulrike Ottinger

Die großformatigen, poetischen Fotoarbeiten der Filmkünstlerin und Fotografin Ulrike Ottinger heben sich deutlich ab von der gängigen, bekannten China-Fotografie.
Es entsteht ein spannender Dialog mit den Skulpturen der jungen chinesischen Künstlerinnen und Künstlern.

Ulrike Ottinger, die in Berlin lebt, gilt als eine der profiliertesten deutschen Filmemacherinnen.
Für ihre Arbeiten erhielt sie zahlreiche Preise, unter anderem den Preis der deutschen Filmkritik für „Prater“ als besten Dokumentarfilm. Schon 1984 bereiste sie mehrere chinesische Provinzen, drehte Filme zwischen Fiktion und Dokumentation. Parallel dazu arbeitete sie an verschiedenen Fotoprojekten.

   
Die Alexander Tutsek-Stiftung:
Glas der Gegenwart auf höchstem Niveau

Die Alexander Tutsek-Stiftung wurde im Dezember 2000 in München gegründet. Der Hintergrund: Als Alexander Tutsek und seine Frau Eva-Maria Fahrner-Tutsek – beide schon immer begeistert vom Material Glas – mit dem Aufbau ihrer privaten Sammlung von Studioglas begannen, wurde ihnen schnell deutlich, dass dieser Werkstoff seinen Platz in der Kunst noch nicht gefunden hat. Studioglas – eine junge Kunstform ist hier, im Gegensatz zur Kunstszene in Amerika und manchen Ländern Europas, noch nicht populär.

Zu dem Ziel, Glas der Gegenwart zu unterstützen, kam aufgrund eigener beruflicher Erfahrung der Wunsch, naturwissenschaftliche Forschung zu fördern, u. a. in
den Bereichen Glas, Keramik, Steine und Erden.

Ein wichtiges Arbeitsfeld der Stiftung ist der Aufbau einer hochrangigen Sammlung von Glas der Gegenwart und seit dem Jahr 2008 neu – auch von Fotografie. Die Sammlung erfasst ein möglichst breites Spektrum der gegenwärtig herrschenden Richtungen, repräsentiert durch Werke international anerkannter Künstlerinnen und Künstler.

Eva-Maria Fahrner-Tutsek: „Erst wenn einem breiteren Publikum die künstlerischen Möglichkeiten, die im Glas stecken, bekannt sind und ein entsprechender Markt wie in den USA entsteht, kann auch das Studioglas in Deutschland aus der lokalen Dimension herauswachsen und als Kunstform in Europa wirklich aufblühen.“


Katalog zur Ausstellung

E.-M. Fahrner-Tutsek, Glass.China. (2009).
Edition EMF. Herausgegeben von der
Alexander Tutsek-Stiftung.
Englisch/deutsche Ausgabe mit Beiträgen von
Eva-Maria Fahrner-Tutsek,
Susanne Frantz, Xue Lu, Katharina Sykora.
146 Seiten, 60 farbige Abb., 24,00 Euro.
ISBN 978-3-7220-02-4

 














© Alexander Tutsek-Stiftung